Liebe Leserinnen und Leser!

wen lesen wir eigentlich, wenn wir Bücher lesen? In der Regel wird in der Rezeption von Literatur kein Unterschied gemacht zwischen deutschsprachigen Texten und solchen, die auf dem deutschen Buchmarkt als Übersetzung erscheinen. Häufig wird übersehen, dass wir eigentlich den Stil der deutschen Übersetzerinnen und Übersetzer meinen, wenn wir die ästhetische Qualität der Werke betrachten. Auch in der Literaturkritik wird die Übersetzung nur in seltenen Fällen wahrgenommen oder werden Übersetzernamen nicht einmal erwähnt.

Diese Lücke möchte ReLü füllen. Neben Rezensionen zu literarischen Texten, die bewusst im Hinblick auf ihre Übersetzung vorgestellt werden, erscheinen an dieser Stelle Besprechungen übersetzungswissenschaftlicher Werke und weitere Texte rund ums Übersetzen.

Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht die ReLü-Redaktion

Übers Übersetzen

Buchcover
Mona Eikel-Pohen über
die Verwendung des Konjunktivs in Hannah Arendts Eichmann in Jerusalem (1963)
Hannah Arendt begleitete im Jahr 1961 den Gerichtsprozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem und berichtete darüber im New Yorker. Ihre Darstellung der „Banalität des Bösen“ führte diesseits und jenseits des Atlantiks zu großen Kontroversen. In Buchform erschien der Text zunächst auf Englisch, die deutsche Fassung wurde von Brigitte Granzow übersetzt und von Hannah Arendt durchgesehen. Mona Eikel-Pohen fragt in ReLü, ob womöglich auch die Verwendung des Konjunktivs die Kritik an Arendt provoziert haben könnte, wodurch die Frage nach der Macht von Sprache ein besonderes Gewicht erhält.

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Buchcover
Marion Herbert über ihre
Annäherung an das Verb apprivoiser bei Antoine de Saint-Exupérys Der kleine Prinz. Ein Werkstattbericht
Muss man Freunde zähmen? Jede Neuübersetzung des Kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry steht automatisch in Bezug zur ersten Übersetzung von Grete und Josef Leitgeb aus dem Jahr 1950, die wohl jeder kennen dürfte. Auch Marion Herbert, die im Jahr 2015 eine von sieben Neuübersetzungen vorgelegt hat, stellt sich dieser Auseinandersetzung und zeichnet anhand des Verbs apprivoiser die Komplexität übersetzerischer Entscheidungen nach.

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Literatur

Buchcover
Elisabeth Scherer über
Südlich der Grenze, westlich der Sonne von Haruki Murakami
aus dem Japanischen neuübersetzt von Ursula Gräfe
Ein großer Streit im Literarischen Quartett begleitete die erste Übersetzung von Murakami Harukis Roman Gefährliche Geliebte im Jahr 2000. Schrieb dieser Bestsellerautor nun „sprachloses, kunstloses Gestammel“ oder handelte es sich dabei um einen „hoch erotischen Roman“? Eine Antwort darauf liefert Elisabeth Scherers Vergleich mit der 2013 erschienenen Neuübersetzung unter dem so überraschend anders klingenden Titel Südlich der Grenze, westlich der Sonne – von Ursula Gräfe direkt aus dem Japanischen übertragen.

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Buchcover
David Schahinian über
Der Fänger im Roggen von Jerome D. Salinger
aus dem amerikanischen Englischen von Irene Muehlon (1954), Heinrich Böll (1962) und Eike Schönfeld (2003).
Wie unterschiedlich ein und derselbe Roman übersetzt werden kann, zeigen die deutschen Fassungen von Jerome D. Salingers The Catcher in the Rye. Die ersten Übersetzungen von Irene Muehlon und Heinrich Böll waren sprachlich Kinder ihrer Entstehungszeit, doch wurde das vielen erst mit der aktuellen Übersetzung von Eike Schönfeld so richtig klar. Er nahm sich die nötigen kreativen Freiheiten, vor denen seine Übersetzerkollegen ihrerzeit aus verschiedenen Gründen noch zurückschreckten.

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Wissenschaft

Buchcover
Vera Viehöver über
Sourcier ou cibliste von Jean-René Ladmiral
Jean-René Ladmiral, der sich selbst als „letzten Überlebenden eines längst vergangenen, vordigitalen Erdzeitalters der Übersetzung“ sieht, gehört zu den Gründungsvätern der institutionalisierten Übersetzungswissenschaft in Frankreich. Der Band Sourcier ou cibliste (2014) versammelt Beiträge des Autors aus mehr als drei Jahrzehnten, die bislang zum Teil nur schwer auffindbar waren: die Bilanz eines leidenschaftlichen Kämpfers, der ein Übersetzen für die Leser fordert – scharf im Urteil gegen die Sakralisierung und Fetischisierung von literarischen Texten.

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Buchcover
Vera Viehöver über
Im Bergwerk der Sprache von Gabriele Leupold und Eveline Passet (Hg.)
Modalpartikeln, Dialogstrukturpartikeln, Abweichungen in Syntax oder Präpositionsgebrauch, aber auch Dialekte, Archaismen, Mischsprachen und Slang: Der von zwei renommierten Literaturübersetzerinnen herausgegebene Sammelband rückt in sprachhistorischer Perspektive jene kleinen Details ins Licht, die Philologen in früherer Zeit häufig als Regelverstöße verpönten, Übersetzer jedoch oft tagelang umtreiben.

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